Hugo Pratts Serie Wüstenskorpione wird zum ersten Mal auf Englisch und als eBook veröffentlicht

Cong eEditions ist der neue Verlag von CONG SA, Hugo Pratt art properties. Das Unternehmen verwertet das gesamte Werk von Hugo Pratt. Die fünf Bände der Serie werden lediglich auf Englisch im eBook-Format veröffentlicht.

Für viele Leser ist Pratt ein Autor, der das erzählerische Niveau eines Dumas, Conrad oder Jack London erreicht. Diese Einschätzung ist keineswegs übertrieben und verdankt sich der großen Zahl von gezeichneten Werken. Corto Maltese ist mit Sicherheit die berühmteste Figur. Die Serie erscheint seit Dezember 2014 in der USA bei Euro Comics, IDW Publisher. Doch Pratt hat viele weitere Figuren und Serien geschaffen, wie etwa Wüstenskorpione, Wheeling, Sgt Kirk, Ernie Pike und Jesuit Joe, um nur die wichtigsten zu nennen.

Selbst sein Privatleben spiegelt das eines Abenteuerhelden der Literatur wider.
Pratt wählte die Saga der Wüstenskorpione bewusst, denn er hatte tatsächlich in Abessinien gelebt, und das in einer Zeit, die sowohl geschichtlich entscheidend als auch für ihn persönlich bedeutend war. 1940 wird der halbwüchsige Hugo im Alter von dreizehn Jahren vom Vater in einer Abteilung der Kolonialstreitmächte in Addis Abeba angemeldet. Es ist ein Bataillon aus Gymnasiasten und Studenten. Die Aufgabe der Jungsoldaten bestand im Schutz von Zivilisten vor Angriffen durch Plünderer und Freischärler, während man auf die offiziellen Kräfte wartete. Damals war Hugo der jüngste Soldat im italienischen Heer und eine Art Maskottchen des Bataillons.

In dieser eher lustigen Rolle erlebte Pratt zum ersten Mal den Krieg. In den Wüstenskorpionen erkennt man deutlich die Erinnerungen eines jungen Vagabunden. In seiner Verkleidung als Maskottchen erlebt er die harte Realität von Menschen, die teils freiwillig, teils unfreiwillig in einen bewaffneten Konflikt geraten.

Die Serie Wüstenskorpione geht auf ein Stück Geschichte zurück, das kaum bekannt ist. Sie spielte sich zwischen 1940 und 1941 in Nordafrika ab, als das berühmte Afrikakorps in der Wüste noch nicht in Aktion getreten war und Frankreich sich am Mittelmeer kurzfristig ausgeklinkt hatte. Folglich blieben nur Italiener und Engländer übrig, die sich direkt gegenüberstanden.

Übersetzt von Fiore Sireci und koloriert von Patrizia Zanotti.
Band 1 ab Februar 2015 auf iTunes.
52 Seiten, ISBN 978-2-940552-00-9, $7.99

eBook: The Scorpions of the Desert

Band 1 – Wüstenskorpione

Herbst 1940 in der Wüste an der Grenze zwischen Libyen und Ägypten. Die Helden der Geschichte sind eine Gruppe Männer aus einer Eliteeinheit der britischen Streitkräfte, die Long Range Desert Group – die Wüstenskorpione –, und sie kommen von allen Schlachtfeldern des Empire. Sie sind allein unterwegs, am Rand der großen Truppenbewegungen. Sie verschaffen sich Jeeps, Panzerwagen, Kamele oder sie marschieren tagelang. Sie greifen an, schlagen zu und verschwinden wieder hinter Sanddünen, ohne sich allzu sehr um Regeln zu kümmern. Aber in dieser Weltgegend geht alles drunter und drüber, Grenzen und Fronten zwischen Freund und Feind verwischen, Uniformen und Flaggen sind fast austauschbar und Wahrheiten sind relativ.
Nur Wladimir Koïnsky, polnischer Kavallerieleutnant, verfolgt zielstrebig seinen Weg. Er hat die Katastrophe von Krakau hinter sich, flüchtete durch Rumänien und Persien und meldete sich zum LRDG. Er ist Zyniker, Individualist, er besitzt Durchblick und er kann Spione erkennen. Rotes Haar, harte Züge, mit Narben an Gesicht und Seele – Koïnsky ist ein Mensch, der nicht unbedingt in die Geschichte eingehen will, sondern einfach sein tägliches Leben bewältigt. Er sieht den Gefahren ins Auge, er überwindet sie. Das Morgen zählt nicht, wenn man nichts zu verlieren hat.
Erhältlich im App-Store

Band 2 – Piccolo Chalet

Januar 1941, anglo-ägyptischer Sudan. Krieg, Wüste, reguläre britische und italienische Truppen tauchen auf und verschwinden wieder in der wabernden Ferne. Sie bilden den Hintergrund für die Geschichte von drei Männern. Koïnsky ist der zynische polnische Leutnant von den Wüstenskorpionen, Leutnant Stella ist ein romantischer Individualist, und Cush ist ein harter, faszinierender Revolutionär vom Stamm der Beni Amer. Das seltsame Terzett agiert außerhalb der normalen Bahnen. Sie sind keine Verbündeten, sie wollen nur überleben, deshalb kontrollieren und respektieren sie sich gegenseitig, um das gemeinsame Ziel zu erreichen. Sie suchen nach einem Schatz, nach einem Ausstieg aus diesem Krieg, der nicht der ihre ist. Jeder hat seine eigenen Motive, aber in der gegenseitigen Beziehung liegt die eigentliche Herausforderung. Den schmalen Grat zwischen Leben und Tod, zwischen Traum und Wirklichkeit, zwischen Materialismus und Idealismus gilt es zu überwinden. Im Hintergrund spielt ein Grammophon einen sich ständig wiederholenden Refrain und über allem schwebt der schwache, doch intensive Duft einer fernen Frau. Es gibt Skorpione, die so tun, als wären sie Skorpione, und einen andalusischen Falken, der die Erinnerung an arabische Dichtung mit sich bringt – und das Wissen um den richtigen Ort, wo nicht nur ein Schatz zu finden ist.
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Band 3 – The Spades of Danakil

Leutnant Koïnsky ist zum Kommandanten der Wüstenskorpione befördert worden. Mit dem Flugzeug ist er auf dem Weg zur Führungsspitze des britischen Militärs und einer wichtigen Begegnung mit dem äthiopischen König Haile Selassi. Doch seine Flugroute kreuzt die CR42 von Kapitän Visentin, einem As der italienischen Luftwaffe. Die Briten werden nicht abgeschossen, sondern nur zur Landung gezwungen. Ihre Gefangenschaft währt indessen nicht lange, sie stehlen eine Savoia Marchetti und machen sich auf nach Süden. Doch die Reise steht unter keinem guten Stern, die Maschine hat technische Probleme, und Koïnsky landet in einem merkwürdigen italienischen Fort, umgeben von Danakil-Räubern und inmitten von erschöpften Askari, die den sinnlosen Krieg satthaben. Es ist eine surreale und zutiefst humane Geschichte, begleitet von einer opernhaften Tonspur und den sinnlichen Bewegungen einer Frau mit einem biegsamen Körper, von Schüssen aus dem Nirgendwo, von Offizieren mit pomadigem Haar und französischen Soldaten, die vor einer nicht nur von wahnsinnigen Gespenstern bewohnten Wüste flüchten.
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Vol. 4 – Dry Martini Parlor

Hauptmann Koïnsky muss seine Mission erfüllen: nach Djibuti und dann nach Harar gelangen. Dieses Mal beginnt die Fahrt im Jeep mit dem französischen Leutnant De La Motte. Es ist eine seltsame Reise. Die grellen Farben der Wüste verblassen allmählich. Die zwei Offiziere schalten einen lächerlichen kleinen Panzerwagen aus, der sie mit seinem Flammenwerfer ausräuchern wollte. Dann kommt das Meer in Sicht. Der melancholische Widerschein des Mondes auf dem Wasser erinnert den Franzosen an eine Frau, die er sehr geliebt hat, Adrienne. Und diese Frau lebt auch in der Erinnerung anderer Soldaten: Ein verliebter Somalier und der italienische Kommandant Fanfulla kannten sie, letzterer sogar als seine große Liebe. Fanfulla ist ein ganz besonderer Charakter, nach außen hin gewalttätig, aber mit einem weichen Herzen. Ein melancholischer, fatalistischer Mensch, der sich mit Lepra infiziert hat und nun in der ihm verbleibenden Zeit noch etwas Sinnvolles bewirken möchte. Wie in einem Traum spielt sich die eigentliche Konfrontation der drei Offiziere vor drei perfekt gemixten, eisgekühlten Martinis mitsamt obligatorischer Zitronenscheibe ab. Doch der Frieden kann nicht von Dauer sein. Koïnsky wird allein nach Süden fahren, und die Flagge über dem Fort wird auf halbmast wehen
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Band 5 – Meeresbrise

Ein Abenteuer im sandigen Norden Afrikas und am blauen Meer. Hauptmann Koïnsky ist auf dem Weg nach Dschibuti und Dire Dawa, seinem letzten Ziel. Die Reise ist ein bunter Bilderbogen aus Personen. Der polnische Offizier bricht auf mit zwei entflohenen Füsilieren aus Indochina, die er zufällig getroffen hat. Dann stößt er auf den einsamen Soldaten Gallina, der seiner Breda die Treue hält: ein kostbarer Panzerwagen, der unerlässlich ist für die gefahrvolle Fahrt. Hier kommt ein Führer ins Spiel in Gestalt einer sinnlichen Danakil-Frau, Ghula. Sie besitzt einen biegsamen Körper und eine harte Faust, die sie gern einsetzt, und mit ihr kommt eine Gruppe Freischärler, die sich in den Kulissen verstecken. Sodann tritt die schöne Madame Brezza auf, Inhaberin der legendären „Meeresbrise“, einem Bordell in Djibuti.
Es ist eine Geschichte, die sich weit entfernt von den klassischen Kriegserzählungen. Alles dreht sich wie ein Karussell, alles verändert sich, alles kann passieren, bis hin zu einem deutschen Torpedoboot, das den Namen und die Flagge wechselt. Es ist die Welt, die Pratt als Junge erlebt hat, die ihn berührt und geprägt hat. In dieser dramatischen und romantischen Geschichte gibt es schweigsame Helden, die sich opfern, denn Pratt verfolgt die Reise des Koïnsky, dieses harten Soldaten, mit seinen eigenen Gefühlen.
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